Mit Gott gegen die Demokratie

Warum der christliche Nationalismus alle angeht

Arnd Henze Foto von Annika Graeff
Journalist und Autor Arnd Henze (Foto: Annika Graeff)
Wie wird Religion zum Brandbeschleuniger politischer Macht? Pete Hegseth, US-Kriegsminister und selbsternannter „Gotteskrieger“, steht für eine Bewegung, die Demokratie und Rechtsstaat als Feindbilder sieht. Mit transatlantischen Netzwerken und autoritären Verbündeten will der christliche Nationalismus die globale Ordnung nach seinem Bild prägen – auch in Europa.

Veranstaltung:

23. April 2026
, 19:30 Uhr
, Schlachthof Wiesbaden

Referent:in:

Arnd Henze & Dr. Martin Mencke

Moderation:

Sascha Schmidt

Pete Hegseth, Kriegsminister der USA, inszeniert sich gern als Christian Warrior, als Gotteskrieger. Auf seinem Bizeps hat er den Schlachtruf der extremen religiösen Rechten tätowiert: Deus Vult, Gott will es. Den Verfall christlicher Bildung aufzuhalten, ist für ihn die Schlacht seines Lebens, der Klassenraum das Schlachtfeld um junge Herzen und Köpfe. Hegseth ist Vertreter eines christlichen Nationalismus auf dem Weg in die Theokratie.

Christlicher Nationalismus ist in den USA kein neues Phänomen. Neu ist die politische Symbiose mit einem Präsidenten. Und auch wenn dieser nicht die moralischen und religiösen Wertvorstellungen der frommen Anhänger:innen teilt: Was sie verbindet, ist der Wunsch nach Rache an der liberalen Gesellschaft und am demokratischen Rechtsstaat.

„Mit dem Zugriff auf die geballte Macht des Weißen Hauses erweist sich der christliche Nationalismus als eine der gefährlichsten Ideologien der Welt – und als so zerstörerisch, dass US-Historiker immer deutlicher über Analogien zur NS-Zeit sprechen,“ schreibt Arnd Henze in seinem aktuellen Buch „Mit Gott gegen die Demokratie“.

Die Bilder aus Minneapolis zeigen diese Demokratie am Kipppunkt. Das brutale Vorgehen der ICE wird von christlichen Nationalisten gerechtfertigt und angefeuert. Ihnen gegenüber steht eine Zivilgesellschaft, die sich mit einem beispiellosen Einsatz, insbesondere auch von Glaubensgemeinschaften, für Zusammenhalt und Frieden einsetzt. Wir erleben in Echtzeit, wie Religion zum Brandbeschleuniger entfesselter Machtausübung wird, während das Engagement von Christ:innen und eine „Theologie des Widerstands“ sich als tragende Kraft im Kampf um die Demokratie auswächst.

Dabei ist es ein Irrtum zu glauben, Nationalisten interessierten sich nur für die eigene Nation. Für die religiöse Rechte ist die „christliche Nation“ der globale Ordnungsrahmen, in dem die Herrschaft Gottes durchgesetzt werden muss. Natürliche Partner für die Durchsetzung dieser Ziele sind autoritäre Regierungen. Entsprechende transatlantische Netzwerke wirken auch auf Europa – zum Beispiel, wenn sich J.D. Vance im Namen der US-amerikanischen Regierung als Schutzmacht einer angeblich bedrohten Meinungs- und Religionsfreiheit in Europa inszeniert, um Kritik an extrem rechten Gruppierungen zu delegitimieren.

Entsprechend eifrig baut auch die AfD ihre Kontakte in die USA auf: um unter die Fittiche zu schlüpfen, aber auch um an die Strategien des großen Bruders anzuknüpfen. Ihre Nähe zu jenen deutschen rechten christlichen Milieus, in denen sich Gruppen bewegen, die genauso bewusst immer wieder die Grenzen des Sagbaren überstrapazieren, sind kein Zufall. 

Wir aber können von der Zivilgesellschaft in den USA lernen: klare Sprache, neue Aktionsformen, kluge Nutzung des digitalen Raums. Denn auch bei uns kann die Demokratie bald noch viel stärker unter Druck stehen. „Wir sollten uns auch bei uns darauf vorbereiten, dass Wegducken keine Option mehr ist“, sagt Arnd Henze. Dann stellt sich auch hier die Frage nach den Kirchen. Mit Dr. Martin Mencke haben wir einen Vertreter der christlichen Kirchen zum Gespräch eingeladen.

Arnd Henze ist Fernsehredakteur beim WDR und Publizist. Er hat in Göttingen, Heidelberg und Berkeley Theologie studiert und beschäftigt sich seit 35 Jahren mit internationalen Krisen und Konflikten.

Dr. Martin Mencke ist Beauftragter der Evangelischen Kirchen in Hessen am Sitz der Landesregierung, zuvor Dekan in Wiesbaden, und verbrachte mehrere Jahre als Auslandspfarrer in den USA.

Moderation: Sascha Schmidt

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