Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert

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Jakob Springfeld

Thema:

„Mich wundert, wie überrascht viele Menschen nach wie vor reagieren, wenn sie erfahren, welchen Bedrohungen Menschen mit Migrationsgeschichte, Linke, Alternative oder Queere in der ostdeutschen Provinz ausgesetzt sind. Diese demokratiezersetzenden Bewegungen zu ignorieren ist gefährlich, da die rechte Raumnahme auch vor dem Westen keinen Halt macht. Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert. Aber manchmal frage ich mich, ob der Westen eigentlich weiß, was im Westen passiert.“
Jakob Springfeld

Veranstaltung:

05. Juni 2025
, Schlachthof Wiesbaden

Referent:in:

Jakob Springfeld

dokumentation

Hier finden Sie unsere Dokumentationen und Veranstaltungsaufzeichnungen zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen. Mit fundierten Analysen und spannenden Gesprächen bieten wir Einblicke, Hintergründe und Perspektiven zu relevanten Entwicklungen.

Mitschnitt der Veranstaltung

Neonazistische Positionen gehören vielerorts bereits zum Alltag und staatliche Behörden, die Bundeswehr sowie das Justizsystem sind Teil des Problems – die Brandmauer ist längst gefallen. Das ist die Analyse von Jakob Springfeld, einem jungen Aktivisten aus Zwickau. „Mich wundert, wie überrascht viele Menschen nach wie vor reagieren, wenn sie erfahren, welchen Bedrohungen Menschen mit Migrationsgeschichte, Linke, Alternative oder Queere in der ostdeutschen Provinz ausgesetzt sind“, sagt Jakob Springfeld.

Die AfD will die Union zerstören

Doch die extreme Rechte hat ganz Deutschland im Blick. Der Unterschied von Westdeutschland zur ostdeutschen Provinz besteht nur darin, dass viel mehr Leute beängstigende Geschichten erzählen können. Der Osten dient der extremen Rechten als Operationsbasis, von der aus das ganze Land ins Visier genommen wird. Aber natürlich gibt es auch im Westen rechte Strukturen, rechte Gewalt, rechten Terror.

 

Ist man weiß, privilegiert und kennt man keine Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, dann lässt sich die extrem rechte Gefahr allerdings überall leicht ausblenden. Doch der genaue Blick vor die eigene Haustür, das Gespräch mit gefährdeten Personen
vor Ort kann schmerzhaft und eine Aufforderung zum Handeln sein. „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert. Aber manchmal frage ich mich, ob der Westen eigentlich weiß, was im Westen passiert“, sagt Jakob Springfeld.

Von verschärfter Rhetorik profitiert nur die AfD

Wer 2025 beansprucht, aus der Geschichte gelernt zu haben, muss sich positionieren, im Kleinen und Gro-
ßen aktiv werden und darf die Krise der Demokratie nicht nur auf „den“ Osten projizieren, fordert er. Die millionenfach besuchten und größten Proteste in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland im vergangenen Jahr hätten jedoch vor allem eines gezeigt:
dass sie viel zu wenig gebracht haben. „Spätestens die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg zeigen, dass es mehr braucht als Skandalisierung, Empörung und Leuchtturmdemos.“

 

Wo auf Demokratie-Proteste zwar Lob und Applaus aus Berlin folgen, aber keine konsequenten politischen Maßnahmen, muss eines klar sein, so Jakob Springfeld: Es bedarf eines umfassenden gesellschaftlichen Ansatzes. Und es sollte jedes rechtsstaatliche Mittel angewandt werden, das Zeit verschafft, die Demokratie zu verteidigen und der AfD zu schaden. Man könne nicht zulassen, dass Antidemokrat:innen mit demokratischen Mitteln diese Demokratie aushebeln.

Wir fragen Ann-Katrin Müller:

Dazu gehört auch, ein AfD-Verbot juristisch zu prüfen, auch wenn die Meinungen und der Hass dadurch nicht
weggehen. Es müsse sich grundsätzlich etwas ändern.


„Wir können uns ein fortlaufendes Verantwortungspingpong, also das Projizieren von Schuld entweder nur auf Ost- oder nur auf Westdeutschland, nicht mehr leisten.“ Es sei verdammt noch mal Zeit, dass das endlich alle verstehen.

Jakob Springfeld, 2002 in Zwickau geboren und dort aufgewachsen, engagiert sich für Antifaschismus und Klimagerechtigkeit, studiert Politikwissenschaft und Soziologie in Halle (Saale). In Stuttgart erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte. ZEIT Campus zählt ihn zu den 100 wichtigsten Ostdeutschen. 2025 ist sein zweites Buch erschienen: Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert. Warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung für
uns alle ist.

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